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Hör mal zu

  • Autorenbild: Rainer Harter
    Rainer Harter
  • vor 19 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Am vergangenen Samstag feierte eine befreundete Nachbarin ihren Ausstieg aus dem Berufsleben, und meine Frau und ich waren zur Party in ein spanisches Restaurant eingeladen.






Wie erwartet trafen wir dort unter den vielen Gästen auf zahlreiche neue Gesichter. Manchmal sind mir solche Treffen fast zu viel – man muss sich einfinden, ins Gespräch kommen, zuhören. Nach einer vollen Arbeitswoche, in der mir so viele Menschen begegnen, will ich aber manchmal einfach nur Stille.


Zugleich – und so war es auch dieses Mal – öffnet sich bei solchen Gelegenheiten ein wahrer Kosmos von Geschichten, wenn man sich darauf einlässt. Wir saßen mit interessanten Menschen am Tisch, und in den gemeinsamen Stunden bei gutem Essen und Trinken hörten wir ihnen zu, stellten Fragen, spürten etwas von ihren Sehnsüchten – und waren am Ende beschenkt.


Für mich ist es jedes Mal etwas Besonderes, mit einem bis dahin völlig fremden Menschen ins Gespräch zu kommen. Es gibt immer etwas zu lernen. Und manchmal darf man dem anderen durch aufmerksames Zuhören und ein paar treffende Worte selbst etwas geben. Auch wenn Menschen ganz schön anstrengend sein können, ist doch jeder Einzelne besonders, wertvoll und voller Geschichten.


Zuzuhören ist etwas Kostbares. Ich kenne tatsächlich Menschen, die es nur schlecht können. Mitten in die Erzählung eines anderen werfen sie – ihn unterbrechend – ihre eigene Sicht ein oder übernehmen gleich das Gespräch, indem sie von sich berichten. Dabei ist Zuhören manchmal viel wichtiger als zu sprechen. Und wer nur von sich spricht, verpasst, was die Worte des Gegenübers in ihm bewirken könnten.


Ich möchte ein Zuhörer sein. Ich will meinen Standpunkt, meine Meinung zu welchem Thema auch immer, nicht so vertreten, dass der andere keinen Raum mehr hat oder das Gefühl bekommt, ich hielte mich für besser als ihn. Zuhören dagegen öffnet den Raum für echte Begegnung – selbst wenn das Gegenüber ein völlig fremder Mensch ist.


„Schnell zum Hören, langsam zum Reden” – schon Jakobus wusste, dass die eine Kunst schwerer ist als die andere (Jak 1,19).


Ich komme beschenkt von diesem Fest zurück. Ein Höhepunkt war für mich, zu fortgeschrittener Stunde mit dem Wirt auf der Terrasse zu stehen, einen Gin Tonic zu trinken und – ihm zuzuhören.


Ich wünsche dir eine gute Woche – und dass du in ihr ein guter Zuhörer bist, der andere gerade dadurch beschenkt.


Alles Liebe. Rainer

 
 
 

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