
Was mich hält

Manchmal fühlt sich mein Leben an wie eine lange Zugfahrt. Die Landschaft zieht am Fenster vorbei, Station folgt auf Station, und irgendwann, das weiß ich, wird der Zug an seinem Zielbahnhof einlaufen.
Über sechs Jahrzehnte bin ich nun unterwegs. Ich habe viel erlebt und vieles gesehen: Schönes und Schlimmes. Gutes und Böses. Heilsames und Verletzendes. Erfolg und Niederlage. Manches hat mich getragen, anderes hat mich ins Schlingern gebracht.
Vor einigen Tagen habe ich mich gefragt: Was hält mich eigentlich auf meiner Reise? Was trägt mich, auch wenn Stationen kommen und gehen? Zwei Dinge sind mir dabei sehr deutlich geworden.
Das erste ist die Bibel. Ihre Worte trösten, ermutigen, korrigieren und ermahnen mich auf meinem Weg. Ich habe viel über die Heilige Schrift gelesen, und es hat mein Vertrauen in die Wahrheit der biblischen Texte gestärkt. Der tiefste Grund liegt jedoch woanders: in der Weisheit und Schönheit der Schrift selbst. Sie ist voller Leben. Und sie gibt mir täglich, was meine Seele braucht.
Das zweite ruht auf diesem Fundament. Es ist die persönliche Freundschaft mit Gott. Je älter ich werde, desto kostbarer wird sie mir. Es ist eine ungleiche Freundschaft zwischen dem einzig Vollkommenen und mir, seinem Geschöpf. Und doch ist sie echt und keine Illusion
Diese Freundschaft spielt sich auf einer Ebene ab, die man mit den menschlichen Sinnen allein weder ergreifen noch beschreiben kann. Es ist die Ebene des Geistes. Dort begegnen sich zwei Liebende, und in dieser Begegnung geschieht eine Schönheit, die geheimnisvoll und zugleich sehr real ist. Die Worte der Heiligen Schrift geben ihr den Grund und den Rahmen, der sie nicht in eine esoterische Schwärmerei abgleiten lässt.
Bibel und Begegnung, das heilige Wort und der heilige Gott: Das sind die Klammern, die mein Leben liebevoll zusammenhalten. Zwischen diesen beiden Polen liegt das mein, das der große Liebende hält.
Dort ist mein Zuhause. Ob meine Reise gerade geradlinig verläuft oder der Zug meines Lebens ins Schlingern geraten ist: Ich nehme mir bewusst und täglich die Zeit, mein Sein an diesem Ort zu verankern, den ich so sehr liebe. Der Zug fährt weiter, Station um Station. Aber ich weiß, wo ich zuhause bin.
Von Herzen und aufrichtig wünsche ich dir dasselbe. Solltest du diesen Ort noch nicht kennen, nimm eine Bibel zur Hand und lerne den in Jesus Christus geoffenbarten Gott kennen. Und dann suche nach ihm: im stillen Gebet, im Staunen über sein Dasein und im Verweilen in seiner Nähe.
Und wenn du diesen Ort schon kennst, hüte ihn wie deinen größten Schatz. Halte nichts für dringlicher oder wichtiger. Dort findest du das echte Leben, und von dort aus kannst du es zu anderen Menschen tragen.
Alles Liebe. Rainer



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