Die Dunkelheit nutzen
- Rainer Harter
- 10. Nov.
- 2 Min. Lesezeit

Ich bin kein Liebhaber der dunklen Jahreszeit.
Am wohlsten fühle ich mich bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen, draußen in der Natur.
Doch diese Kombination ist rund um den Jahreswechsel eher selten.
Also arrangiere ich mich mit den dunklen Stunden, auch wenn ich sie nicht mag:
Morgens beginnt der Alltag im Dunkeln, und am Nachmittag bleibt kaum Zeit, noch etwas bei Tageslicht zu unternehmen. Viele Stunden des Tages bin ich von künstlichem Licht umgeben.
Wenn endlich der 21. Dezember erreicht ist, habe ich jeweils das Gefühl, den Gipfel der Dunkelheit überwunden zu haben. Auch wenn die Tage danach nur langsam heller werden, spüre ich: Jetzt geht es wieder leichter - als ob ich bergab fahren würde – dem Licht entgegen.
In der dunklen Jahreszeit ziehen sich viele Pflanzen notgedrungen zurück. Sie müssen sich schützen. Zugleich aber nutzen sie diese Phase - im Unterschied zu vielen von uns Menschen - erstaunlich effektiv:
Das Chlorophyll in den Blättern wird abgebaut, Nährstoffe wandern in Wurzeln, Stamm und Knollen und werden dort als Energie gespeichert. Der Stoffwechsel wird auf ein Minimum reduziert.
Die stille Zeit dient der Regeneration. Wenn im Frühjahr Licht und Wärme zurückkehren, ist alles vorbereitet, damit neues Leben austreiben kann.
Viele Menschen leben das ganze Jahr über mit derselben Geschwindigkeit. Und doch würde es auch uns guttun, das Mehr an Stunden, die wir jetzt Zuhause verbringen, ebenfalls für regenerative Prozesse nutzen und uns innerlich weiterentwickeln. Wir könnten uns beispielsweise Fragen wie diese stellen:
Welches früher so grüne „Laub meines Lebens“ ist inzwischen verwelkt oder abgestorben und welches sollte vielleicht gerade jetzt abgeworfen werden?
Liegt meine „Seelenzwiebel“ tief genug in guter Erde, um den Frost zu überstehen und im kommenden Frühling wieder aufblühen zu können?
Ist die „Erde der Gemeinschaft“, die mich umgibt, ein Ort der Geborgenheit und des Wachstums?
Sind meine „Glaubenswurzeln“ im vergangenen Jahr tiefer gegangen – so tief, dass ich keine Angst haben muss, wenn die Oberfläche gefriert?
Diese Fragen tun gut, auch wenn sie manchmal Dinge ans Licht bringen, die wir lieber übersehen würden. Doch wir sind nicht allein.
Es gibt den großen Gärtner.
Selbst wenn wir uns zu wenig auf Zeiten der Dunkelheit vorbereitet haben, dürfen wir auf seine gnädige Fürsorge vertrauen. Vielleicht ist gerade diese dunkle Zeit des Jahres die beste Gelegenheit, unsere Beziehung zu Gott zu vertiefen, unsere inneren Dunkelheiten an sein Licht zu bringen und ihn zu bitten, uns für ein neues Aufblühen vorzubereiten.
Ich freue mich auf den nächsten Frühling.
Hab eine gute Woche in seiner Nähe.
Alles Liebe. Rainer