Was geht noch?
- Rainer Harter

- vor 2 Tagen
- 3 Min. Lesezeit

Fragst du dich das auch manchmal?
Du und ich – wir haben schon einiges erlebt: Gutes und Schlechtes. Erfolge und Misserfolge. Anerkennung und Ablehnung. Das volle Programm.
Wenn ich zurückschaue, gibt es Phasen in meinem Leben, da läge es nahe, sie auszuradieren und die Geschichte jener Monate und Jahre neu zu schreiben.
Das waren schlimme Zeiten.
Du kennst solche Lebensphasen wahrscheinlich ebenfalls.
Doch die Vergangenheit lässt sich nicht ausradieren. Sie gehört zu uns, und so tragen wir manche Narben mit uns. Zugleich gilt: Genau der Weg, den wir gegangen sind, hat uns hierhin geführt – an den Punkt, an dem wir heute stehen.
So bin ich versöhnt mit meinem Gestern, auch wenn nicht alles so lief, wie ich es mir gewünscht hätte. Mit meinem Leben nicht – und auch nicht immer mit mir selbst.
Und doch gibt es so vieles, wofür ich dankbar sein kann. Wo ich jetzt stehe, empfinde ich große Dankbarkeit für mein Leben. Beispielsweise hatte ich immer Freunde – ein großer Segen. Und seit fast vierzig Jahren bin ich mit einer Frau verheiratet, die mit mir durch dick und dünn gegangen ist und auch in tiefen Krisen bei mir geblieben ist. Das kann ich niemals „zurückzahlen“.
Ich darf drei erwachsene Kinder haben. Zu allen ist die Beziehung gut; als Familie verbringen wir Zeit miteinander und sind Freunde. Das ist eines der größten Geschenke für mich. In den vergangenen Jahren sind dann noch ganz besondere Menschen in mein Leben getreten: fünf Enkel. Nie hätte ich gedacht, dass ich noch einmal eine neue und so tiefe Form von Liebe kennenlernen würde.
In meinem bisherigen Berufsleben durfte ich meine Begabung als Pionier ausleben – zunächst in einem Forschungsinstitut und später als Gründer und Leiter des ersten neuzeitlichen Gebetshauses in Deutschland. Es tut mir gut, von Kolleginnen und Kollegen umgeben zu sein, die Jesus wirklich lieben und ihm nachfolgen, auch wenn es sie etwas kostet.
Früh genug habe ich Ausschau nach Nachfolgern für die Leitung des Gebetshauses gehalten – und vor einiger Zeit hat Gott sie geschickt. Nun gehen wir gemeinsam durch einen Übergangsprozess, an dessen Ende ich alle Verantwortung in ihre Hände legen darf. So ist auch sichergestellt, dass das von Gott initiierte Gebetshaus bestehen bleibt.
Ich bin dankbar im Blick auf mein Jetzt.
Und doch liegen vermutlich noch Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte vor mir. Was werden sie bringen? An welchen Stellen werde ich meine mit der Zeit geringer werdende Kraft einbringen können – und sollen? Der Gedanke, irgendwann ganz in den Ruhestand zu gehen, befremdet mich. Zu viele Ideen und scheinbare Notwendigkeiten sind da.
Zugleich sehne ich mich nach mehr Zeit: Zeit, um zu schreiben, um andere zu ermutigen, um Vorträge zu halten, um das eine oder andere für die Gemeinde Jesu in Deutschland zu tun – wenn ich das kann.
Und ich wünsche mir auch Zeit für Rückzug und Stille, Zeit für Reisen mit meiner Frau, Zeit mit meinen Kindern und Enkeln.
Wie wird sie also werden – die Zukunft? Was kommt auf mich zu? Ich sehe noch nicht weit, aber ich bin bereit loszugehen. Erfolgsziele muss ich mir dabei nicht mehr setzen; diese – völlig normale – Lebensphase liegt hinter mir.
Wie wird sie werden – meine Zukunft? Eine Zeit, in der die physische Kraft weniger wird, die Leidenschaft für Jesus aber hoffentlich bleibt und vielleicht sogar noch wächst?
Vielleicht schaust du auch manchmal auf dein eigenes Leben: auf das Gewesene und auf die Gegenwart. Vielleicht fragst du dich, was noch kommen wird. Ich wünsche dir von Herzen, dass du aus einer Haltung der Geborgenheit in Gott heraus auf die Zukunft schauen kannst.
Diese Geborgenheit tröstet und trägt mich. Paulus hat dafür Worte gefunden, die ich wörtlich nehme:
„…euer Leben ist zusammen mit Christus in Gott verborgen.“ (Kol 3,3)
Es gibt keinen besseren Ort als diesen.
Alles Liebe. Rainer


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