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Was Jerusalem lehrt

  • Autorenbild: Rainer Harter
    Rainer Harter
  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit

Wieder bin ich mit einem Team aus dem Gebetshaus in Jerusalem.


Wieder beten wir in den Kirchen der Altstadt an und wieder versuchen wir, den Menschen, denen wir begegnen, etwas von der Liebe Jesu zu schenken.





Jerusalem ist dabei nie nur eine Kulisse. Diese Stadt ist wie eine Verdichtung von Glaube, Geschichte, Hoffnung, Erwartung, aber auch von Hass und Schmerz. All das liegt hier dicht beieinander.


In diesem Jahr fällt das jüdische Fest Purim in die Zeit des Ramadan. Purim erinnert an die Rettung der Juden im Perserreich, wie sie im biblischen Buch Ester erzählt wird – ein ausgelassenes, fröhliches Fest.

Gleichzeitig strömen während des Ramadan besonders in Jerusalem Zehntausende Muslime rund um den Tempelberg. Die Altstadt ist voller Gebet, Hektik und Bewegung.


Mich umgibt augenblicklich viel Freude und Frömmigkeit. Dies geschieht in einer politischen Lage, die angespannter kaum sein könnte. Die Realität von Militärschlägen seitens des Iran ist allgegenwärtig. Worte wie „Tod Israel“ sind keine Randphänomene, sondern Teil offizieller Rhetorik des iranischen Regimes.


Ich staune darüber, wie die Israelis unter diesem Druck ein einigermaßen normales Leben führen. Ja, die Bedrohung ist Thema in fast jedem unserer Gespräche mit Menschen vor Ort. Und dennoch geht das Leben weiter.


Gestern beispielsweise begegnete ich im Wadi Qelt einer Gruppe junger Israelis. Sie badeten ausgelassen in den Wasserbecken des Wadis, lachten, sprangen von Felsen ins Wasser. Fast noch Kinder, stehen sie zugleich kurz vor ihrem obligatorischen Militärdienst. Mit 18 Jahren. Männer dienen 32 Monate, Frauen 24.


In der aktuellen Situation bedeutet das mehr als eine militärische Grundausbildung zu absolvieren. Es bedeutet die reale Möglichkeit, in Kampfhandlungen verwickelt zu werden, Menschen töten zu müssen und vielleicht selbst traumatisiert oder gar nicht zurückzukehren.

Wir kamen ins Gespräch mit den Teenagern. Ich sah in offene, fröhliche Gesichter ohne Anzeichen von Verbitterung. Einfach junge Menschen, die ihr Leben im Wissen um die Unsicherheit der Zukunft leben - jünger als meine eigenen Kinder.

Als ich sie fragte, ob wir als Gebetshaus-Team für sie beten dürften reagierten sie sofort mit Freude und Dankbarkeit. Also sprach ich ein Segensgebet über ihnen. Es war ein heiliger Moment, in einer Oase mitten in der judäischen Wüste, in Badekleidung und Wanderschuhen.


In solchen Momenten spüre ich, wie kostbar Friede und wie zerbrechlich Sicherheit ist. Und wie selbstverständlich wir in Deutschland so vieles nehmen.


Noch leben wir in unserer Heimat trotz mancher Herausforderungen wie auf einer Insel der Seligen. Und doch begegnet mir Zuhause so viel Unmut, so viel Gereiztheit, so viel Lähmung. Wir haben Probleme, ja. Aber wir leben nicht unter der ständigen realen Bedrohung eines Raketenalarms. Wir haben nicht alle eine aktive Warnsignal-app auf unseren Telefonen, die uns die Zeit anzeigt, die wir bis zum Einschlag noch haben. Hier in der Altstadt von Jerusalem sind es 1,5 Minuten.


In Israel erlebe ich bei vielen Menschen eine bemerkenswerte Lebensfreude – nicht trotz, sondern mitten in der Unsicherheit. Das vermisse ich daheim.


Was würde geschehen, wenn wir in Deutschland neu dankbar würden?

Wenn wir uns bewusst machten, wie viel Freiheit, Sicherheit und Wohlstand wir haben? Wenn wir weniger um uns selbst kreisten und mehr Verantwortung füreinander übernähmen?


Dankbarkeit ist kein naiver Optimismus.

Sie ist eine geistliche Haltung. Sie öffnet das Herz. Sie macht handlungsfähig.


Vielleicht ist das eine Lektion Jerusalems für mich und uns: Nicht warten, bis alles sicher ist. Nicht zuerst klagen, sondern dankbar leben. Beten. Anpacken. Und den Blick weg vom eigenen Bauchnabel hin zu anderen Menschen richten.


Alles Liebe. Rainer

 
 
 

1 Kommentar


Rainer Sinn
vor einem Tag

Hallo Rainer ,

kennst du Christa Behr ?

Grüße Rainer Sinn

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