Dynamik versus Treue
- Rainer Harter

- 11. Mai
- 2 Min. Lesezeit

Unser Leben besteht aus Aufgaben, Verpflichtungen, Beziehungen, Ideen und Möglichkeiten.
Vieles davon ist wichtig. Doch wir können nicht allem dieselbe Aufmerksamkeit geben, denn unsere Zeit, Kraft und Energie sind begrenzt.
Vielleicht wird uns das besonders bewusst, je älter wir werden.
Irgendwann merken wir, dass unser Leben nicht unendlich viele Jahre umfasst und dass wir sorgsam damit umgehen müssen, wofür wir unsere Kraft einsetzen.
Nicht jede Möglichkeit ist automatisch auch ein Auftrag.
Zugleich gilt, dass Torschlusspanik kein guter Ratgeber ist.
Deshalb beobachte ich zunehmend genauer, wo sich in meinem Leben ein Momentum entwickelt.
Momentum beschreibt den Moment, in dem etwas beginnt, Fahrt aufzunehmen. Eine innere oder äußere Dynamik entsteht. Dinge fügen sich. Türen öffnen sich. Freude wächst. Kraft wird freigesetzt. Man spürt: Hier bewegt sich etwas.
Ich halte diesen Gedanken für wichtig, weil es nicht genügt, einfach nur beschäftigt zu sein.
Man kann viel Kraft investieren und trotzdem innerlich auf der Stelle treten.
Zugleich glaube ich nicht an ein Leben nach dem Lustprinzip. Nicht alles, was leicht fällt, ist deshalb auch richtig. Treue bleibt für mich ein hoher Wert. In Beziehungen. In Verantwortung. In meiner Arbeit. Ich möchte nicht einfach aufhören, nur weil etwas mühsam geworden ist oder keine unmittelbare Begeisterung mehr auslöst.
Doch genau deshalb versuche ich zu unterscheiden:
Wo fordert mich Treue heraus, dranzubleiben?
Und wo zeigt mir Gott vielleicht, dass an anderer Stelle neues Leben, neue Kraft und neue Bewegung entstehen?
Denn wenn irgendwo Momentum entsteht, lohnt es sich oft, diesem Raum zu geben. Nicht aus übereilter Begeisterung heraus, sondern aufmerksam.
Das bedeutet gleichzeitig auch, an anderen Stellen bewusst loszulassen oder Abstriche zu machen. Nicht alles kann gleichzeitig wachsen.
Ich empfinde diese Balance zwischen Treue und Momentum als sehr wohltuend.
Sie bewahrt davor, sich nur treiben zu lassen. Und sie schützt zugleich davor, krampfhaft an Dingen festzuhalten, deren Zeit vielleicht vorbei ist.
Denn am Ende geht es nicht nur darum, irgendwie beschäftigt gewesen zu sein. Die Frage ist auch, wofür wir unser Leben eingesetzt haben und was daraus geworden ist.
Vielleicht lohnt es sich auch für dich, immer wieder innezuhalten und dich zu fragen:
Wo liegt im Moment Kraft auf meinem Leben?
Und was versuche ich vielleicht nur noch aus Gewohnheit aufrechtzuerhalten?
Alles Liebe
Rainer



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