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Enttäuschungen

  • Autorenbild: Rainer Harter
    Rainer Harter
  • vor 4 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit
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Du hast viel Zeit, Energie und Arbeit in eine ganz bestimmte Sache gesteckt. Du fühlst dich gut vorbereitet, hast an alles gedacht, was es zu berücksichtigen gibt und fühlst dich gut.


Aber dann kommt alles ganz anders, als du es dir vorgestellt hast. Trotz aller Vorbereitungen und Gebete läuft es nicht.






Du verstehst nicht, woran es liegt und deine Vorfreude, dein Mut und dein Glauben fühlen sich an, als ob die Oberfläche der Straße, auf der du bis hier mit hoher Geschwindigkeit fahren konntest, sich plötzlich in einen zähen Brei verwandelt, auf dem du kaum mehr vorankommst. Anstatt dass sich deine Vorbereitungen auszahlen, scheinen sie fast umsonst gewesen zu sein.


Jeder weitere Meter in Richtung auf das Ziel, das du ersehnst, ist ein mühsamer und kräftezehrender Kampf.

Die anfängliche Freude geht dir verloren und Zweifel ziehen ein: „Habe ich etwas falsch gemacht? Ist Gott nicht mehr mit mir? Bin ich die falsche Person?“

Du spürst, wie dein Selbstvertrauen sinkt. Am liebsten würdest du dich verstecken.


Ich kenne solche Erfahrungen. Sie rauben mir Energie und stehen wie unbeantwortete Fragen im Raum meines Seins. Oft gibt es keine plausible Erklärung für das Nicht-Gelingen und es bedarf jeweils einer bewussten Entscheidung, trotzdem weiterzumachen, Neues zu wagen, zu vertrauen und zu glauben. Denn solche Enttäuschungen wiegen schwer.


Deshalb ist unsere Reaktion darauf so bedeutsam.

Wir können uns ausbremsen und einschüchtern lassen, oder uns dafür entscheiden, das Fehlen einer Antwort auf die Frage nach dem Grund der Enttäuschung zu akzeptieren. Dann verliert sie ihr lähmendes Gewicht.

Wenn wir unser Bestes gegeben haben und trotzdem enttäuscht werden, gibt es manchmal Gründe dafür, die wir nicht erfahren werden. Das muss man aber auch aushalten können.


Ich finde Trost in Gottes Wort, wenn ich derart enttäuscht werde.

Es zeigt mir, wie wichtig es ist, nicht aufzugeben und auf Gottes Gnade zu vertrauen. Und es zeigt mir, wie bedeutsam Ermutigung durch Freunde ist - so wie im Falle von Timotheus:


Timotheus war jung. Jünger, als man für eine Leitungsaufgabe in einer großen Stadtgemeinde erwarten würde. Und doch hatte Paulus ihn genau dorthin geschickt: nach Ephesus. Die Gemeinde besaß großen Einfluss, aber es gab auch massive Probleme: Falsche Lehren, streitlustige Gruppen, und Brüder, die seine Autorität infrage stellten.


Der junge Leiter tat sein Bestes. Er kannte die Schriften, er hatte Paulus als väterlichen Freund, und er wollte treu dienen. Aber je länger er dort war, desto deutlicher merkte er: Das hier wird schwerer, als ich dachte.


Paulus’ Worte im zweiten Brief lassen erahnen, wie es Timotheus ging und dass er ermutigt und „neu entfacht“ werden musste. Vielleicht schämte er sich und dachte daran, aufzugeben. Seine Enttäuschung über sich selbst mag schwer gewogen haben und möglicherweise überkamen ihn Zweifel:


War er der Aufgabe wirklich gewachsen? Hatte Paulus sich geirrt? Hatte er sich selbst geirrt?

Mitten in diesen unbeantworteten Fragen schreibt ihm Paulus und erinnert ihn daran, dass Gott ihm keinen Geist der Furcht gegeben hat und dass die Berufung auf seinem Leben nicht durch seine Jugend begrenzt wird. Gott selbst ist seine Quelle, nicht sein eigenes Können.


Timotheus ist geblieben. Es wurde nicht alles plötzlich leicht, aber er vertraute darauf, dass Gottes Treue größer ist als seine eigene Unsicherheit. Er lernte etwas, das ich mir immer wieder selbst vor Augen halten muss: Nicht jede Aufgabe, die schwer zu bewältigen ist und nicht jede Enttäuschung ist ein Zeichen dafür, dass wir auf dem falschen Weg sind. Manchmal zeigt sich unsere Berufung schließlich sogar genau dort, wo wir am meisten an uns zweifeln.


Vielleicht fühlt sich der Belag deiner Lebensstraße gerade jetzt zäh und klebrig an, obwohl du alles richtig machst. Ich rate dir:

Bleib im hörenden Gebet vor Gott, und wenn du von ihm nicht hörst, dass du auf dem Holzweg bist, dann geh weiter. Diese Phasen sind normal, sie können unser Vertrauen vertiefen und unsere Glaubensmuskeln stärken - auch wenn manche Fragen offen bleiben.


Alles Liebe. Rainer

 
 
 

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