Es geht aufwärts
- Rainer Harter

- vor 2 Tagen
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Bereits mit etwa 25 Jahren beginnt unser Körper mehr Zellen abzubauen, als er neu bildet. Der Höhepunkt unserer körperlichen Leistungsfähigkeit liegt dann bereits hinter uns.
Man könnte also sagen: schon nach etwa einem Drittel unserer durchschnittlichen Lebenserwartung geht es bergab mit uns.
In einer Welt, in der Jugendlichkeit vergöttert wird, kann es ganz schön hart sein, wenn man morgens vorm Spiegel feststellt, dass man scheinbar plötzlich zu viel Haut im Gesicht hat, sodass sie sich in Falten legt.
Den körperlichen Abbau erlebe auch ich als unangenehm. Früher war ich bei meinen Langstreckenläufen der Jäger – heute bin ich der Gejagte. Früher musste ich nicht pusten, wenn ich mich kurz angestrengt habe - jetzt schon. Für mein Alter liege ich über dem Fitness-Durchschnitt, aber dieses Wissen schenkt keine zusätzliche Kraft.
In solchen Momenten merke ich, wie sehr ich eine andere Perspektive brauche als die meines Körpers. Und genau hier spricht die Bibel erstaunlich klar und tröstlich.
Sie führt uns zurück in den Alltag, denn genau dort bewährt sich der Glaube.
Es reicht nicht, im Gottesdienst etwas über Glauben zu hören. Unser ‚innerer Mensch‘ – von dem Paulus in Eph 3,16 spricht – wächst nicht nebenbei. Er muss genährt werden, damit er im Gegensatz zu unserem Körper nicht schwächer, sondern immer stärker wird.
Paulus schreibt in 2.Kor 4,16-18
Darum werden wir auch nicht verzagt; nein, wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, so empfängt doch unser innerer Mensch Tag für Tag neue Kraft.
Denn die augenblickliche, leicht wiegende Last unserer Leiden bringt uns in überschwenglicher Weise über alles Maß hinaus ein ewiges Vollgewicht von Herrlichkeit ein, weil wir den Blick nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare richten; denn das Sichtbare ist zeitlich, das Unsichtbare aber bleibt ewig.
In diesen Zeilen stecken der oben erwähnte Realismus und Trost: Ja, unser leiblicher Mensch wird aufgerieben. Doch die Antwort darauf ist nicht der verzweifelte Versuch, das Äußere mit allen Mitteln festzuhalten, sondern die bewusste Hinwendung zum Inneren. Es geht um Annahme und Vorfreude, die durch einen aktiven Glauben stetig zunehmen können.
Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir als Christen mehr Energie in unser vergängliches Äußeres investieren als in das Wachstum unseres inneren Menschen. Und vermutlich ist dies auch einer der Gründe, warum die „Braut Christi“ - also die weltweite Gemeinde der Christen - zumindest in Deutschland nicht die Ausstrahlung hat, die sie eigentlich haben könnte – während uns gleichzeitig die perfekten Bilder auf Instagram faszinieren.
Wir sind nicht dazu berufen, mit den Idealen der Welt zu konkurrieren.
Das wird die Kirche nicht retten. Unsere Schönheit kommt woanders her und geht weit über die vergängliche menschliche Schönheit hinaus. Sie wird auch nicht weniger, schlaffer oder bildet Falten - sie strahlt umso heller, je mehr Zeit wir im „Solarium Gottes“ verbringen: in seiner strahlenden Gegenwart.
Das ist eine Attraktivität, die bleibt. Aber das tut sie nur, wenn wir es lernen, unseren Blick eben nicht auf das Vergängliche zu richten, sondern auf das Unvergängliche. Oder anders gesagt: Wenn wir Jesus betrachten und in seinem Licht verweilen.
Das wünsche ich dir für die kommende Zeit.
Und nein, es geht nicht bergab, sondern - wie ein sterbender Freund einmal zu mir sagte:
„es geht aufwärts“.
Alles Liebe, Rainer



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