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Jerusalem

  • Autorenbild: Rainer Harter
    Rainer Harter
  • 5. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich in meinem Zimmer mitten in der Altstadt von Jerusalem.


Um mich herum atmet es Geschichte und Geschichten zugleich. Nur wenige Schritte von mir entfernt sind die Dinge geschehen, die die ganze Welt verändert haben: Tod und Auferstehung Jesu Christi.






Neben diesen gewaltigen Ereignissen sind da aber auch die kleinen Geschichten, die ich täglich beim Gang durch die Gassen der Altstadt zu hören bekomme: Geschichten von Liebe, Leid, Frieden und Hass. Die Menschen erzählen von ihren Alltagsfreuden und -Sorgen, wenn man ihr Vertrauen gewonnen hat und sich Zeit für sie nimmt. Manchmal wird mir das fast zu viel. In Augen zu schauen, die aus einem Gesicht blicken, das versucht freundlich und beherrscht zugleich zu wirken, während dahinter tiefer Schmerz wohnt, der sich in den Augen nicht unterdrücken lässt.


Zugleich aber fasziniert es mich, diese Geschichten zu hören und noch mehr Menschen hier kennenzulernen, die mit der Zeit zu Freunden werden. Ungefähr fünfundzwanzig Male war ich nun schon jeweils für ein paar Tage in diesem Mikrokosmos namens „old city“. Ich kenne fast „jeden Stein“ hier. Der Gang durch die kleine Gasse, in der ich jeweils wohne und die nur ca. zweihundert Meter lang ist, ist ein Weg, den ich mehrmals täglich gehe und für den ich manchmal über eine Stunde an Zeit brauche, weil die Bekannten vor ihren shops und kleinen Restaurants stehen und ich nicht einfach an ihnen vorbeigehen möchte.


Ich bin hier, um Anteil zu nehmen.

Jeden Morgen für beginnt der Tag mit einer Anbetungszeit. Ich klinke mich ein in den Ruf dieser Stadt nach Gott. Die Dichte der religiösen Formen und Inhalte ist gewaltig. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie abstoßend ich das alles bei meinem ersten Besuch vor vielen Jahren fand. Es kam mir vor, wie ein frommer Jahrmarkt, auf dem es jederzeit zu einer Massenschlägerei kommen könnte.


Heute sehe ich das anders. Mir begegnet selbst in mir fremden Formen von Gebet und Gottesverehrung in der Regel eine echte Sehnsucht: Menschen suchen nach Gott. Das ist vielleicht nirgendwo anders auf der Welt so offensichtlich wie in der Altstadt Jerusalems: Muslime eilen auf den Ruf des Muezzin hin in die nächste Moschee, orthodoxe Juden sind schnellen Schrittes unterwegs zur Klagemauer, zu ihrer Synagoge oder Talmudschule. Christliche Pilger prozessieren Kreuze tragend und singend die Via Dolorosa entlang oder drücken sich in Massen durch die Grabeskirche. Die Luft vibriert von Gebeten.


Ich bin ebenfalls hier, um zu beten.

Jerusalem erbarmt mich und manchmal überfordert es mich. Und doch: Ich werde weiterhin hierher kommen, um meine kleinen Gebet in die Waagschale vor Gott zu werfen, damit er sich all den Menschen offenbart und sie durch Jesus Christus den Weg zum Vater schließlich finden.


Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass die Stimme der Braut Jesu in dieser Stadt von ihm gehört wird, der sich selbst Bräutigam nennt.

Meine Investition in diese Stadt lässt sich mit den letzten Worten aus der Bibel beschreiben, die sich an Gott richten: „komm, Herr Jesus“.


Alles Liebe. Rainer

PS: Auf meinen Social Media-Profilen findest du jeden Tag einen kurzen Einblick in meine Tage in Jerusalem.

 
 
 

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1 Kommentar


Andreas
06. Jan.

Mir ging es bei meinen Reisen nach Israel ganz ähnlich, wie Rainer es beschreibt. Beim ersten Mal in Jerusalem voller Entsetzen über den Rummel und das, was verschiedene Denominationen aus der Botschaft von Jesus gemacht haben. Beim zweiten Besuch verwandelte sich mein Entsetzen eher in Trauer und Mitleid über die vielen Schafe, die keinen Hirten haben und ich konnte die Tränen Jesu am Ölberg sehr gut nachvollziehen.

Gute Tage in Jerusalem, lieber Rainer.

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