
Verantwortung in Beziehung (Accountability)
- Rainer Harter

- 29. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Wir Menschen tragen alle Verwundungen, negative Angewohnheiten oder psychische Herausforderungen mit uns.
Ganz gleich, ob sich das in Suchtverhalten (Essen, Pornografie, Drogen), in Zwangsmustern (Reinlichkeit, feste Abfolgen, Kontrollbedürfnis) oder in anderen Formen zeigt, wollen wir diese Verhaltensweisen loswerden. Und doch gelingt es uns oft nicht.
Das Problem kann dann sogar noch größer werden, wenn wir nämlich das Gefühl haben, andere enttäuscht zu haben, die uns doch eigentlich beim Überwinden helfen wollten, z.B. denjenigen, die für uns gebetet haben.
Dann ziehen wir uns zurück. Und wir schämen uns.
Scham ist eine schmerzhafte Empfindung, die in Isolation führt. Aus Scham beginnen wir, so zu tun, als gäbe es unsere Probleme gar nicht mehr. Wir verdrängen sie, spalten sie ab und leiden gleichzeitig weiter darunter.
Ich bin überzeugt: Es gibt einen Ausweg aus solchen Situationen.
Der erste Schritt ist, dass wir uns Gott zuwenden. Gott kann heilen, erneuern und frei machen. In der Regel folgt auf diesen ersten Schritt jedoch ein zweiter: Wir müssen unsere Lebensführung verändern. Einfach so weiterzuleben wie bisher, bringt keine nachhaltige Veränderung.
Um unsere Lebensführung tatsächlich und dauerhaft ändern zu können, tut uns die Hilfe anderer Menschen gut. Manchmal geht es sogar ohne sie nicht. Sich bewusst dafür zu entscheiden, unser Leben nicht länger allein zu bewältigen schenkt uns wertvolle Entlastung und Unterstützung. Veränderung geschieht selten im Verborgenen. Sie braucht Licht, Beziehung und Verlässlichkeit.
In diesem Zusammenhang spricht man häufig von Accountability.
Gemeint ist damit keine Überwachung und kein spirituelles Punktesystem, sondern etwas sehr Bodenständiges: Verantwortung, eingebettet in Beziehung - also eine freiwillige, vertrauensvolle Form gegenseitiger Verbindlichkeit.
Accountability bedeutet: Ich lasse mindestens einen Menschen bewusst an mein Leben heran, weil ich es mit dem Wunsch nach Veränderung ernst meine.
Accountability wirkt, denn sie verbindet drei Dinge, die wir allein kaum zusammenhalten können:
1. Wahrheit: wir hören auf, uns selbst etwas vorzumachen. Ein anderer Mensch darf jetzt nachfragen, zuhören, erinnern.
2. Beziehung: unsere Kämpfe werden nicht länger zu unserem Geheimnis. Scham verliert ihre Macht, weil sie geteilt wird.
3. Verbindlichkeit: Gute Vorsätze bleiben nicht schwammig. Wir haben nun jemanden, der uns liebevoll daran erinnert, wozu wir uns entschieden haben.
Diese Art von Unterstützung ist ein Geschenk, das wir annehmen und auch anderen geben dürfen. Gott hat uns nicht dafür geschaffen, Veränderung alleine meistern zu müssen. Heilung geschieht oft im Gebet, die anschließend erforderliche Reifung fast immer in Gemeinschaft.
Vielleicht ist der Beginn des neuen Jahres genau der richtige Zeitpunkt für dich, bestimmte Themen nicht länger allein anzugehen, sondern gemeinsam mit einem vertrauenswürdigen Gegenüber.
Jemandem, der dich unterstützt und zugleich herausfordert.
Das wird dir guttun und es kann die Veränderung ermöglichen, nach der du dich sehnst.
Trau dich. Es lohnt sich.
Alles Liebe. Rainer



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