top of page

Was tut dir gut?

Autorenbild: Rainer Harter
Rainer Harter
vor 11 Minuten
3 Min. Lesezeit

Wir Menschen brauchen einen Ausgleich zu diesem von Leistung geprägten Leben. Etwas, das uns guttut.


Mir wurde das in der vergangenen Woche wieder sehr bewusst.


Ich bin ein Freund des kontemplativen Gebets, aber es gibt auch eine andere Form von Kontemplation - und über die möchte ich sprechen.





Am vergangenen Dienstag unterrichtete ich an einer theologischen Ausbildungsstätte in der Schweiz. Das tue ich gern. Doch nach vier Vorträgen, vielen Gesprächen und einer längeren praktischen Übung mit den Studenten war ich am Abend ausgelaugt. Zufrieden, aber sehr erschöpft.


Diese mentale und geistige Erschöpfung kenne ich gut. Anders als körperliche Müdigkeit ist sie unangenehm, auch in ihren Auswirkungen. Ich bin dann dünnhäutiger als sonst. Die Grenze meiner Belastbarkeit ist erreicht, und ich vertrage Kritik, Angriffe oder die Fehler anderer schlechter.


Am Samstag dagegen war ich zu Hause.

Ich wollte im Garten einiges erledigen. Ich schnitt Büsche und Reben zurück, grub ein altes Betonfundament aus und erntete als Höhepunkt die scharfen Paprika aus meinem selbst gebauten Hochbeet. Dabei merkte ich: Diese Arbeit schenkt mir Glück.


Ihr Ergebnis ist so sichtbar.

Von einer Ecke des Gartens zur anderen zu gehen, um dort etwas zu tun, hatte etwas vom alten Begriff des „Lustwandelns". Auch wenn es zum Teil anstrengend war, tat es mir gut und erfüllte mich. Nachdem ich anschließend die vielen Paprika geschnitten, eingelegt und eingeweckt hatte, war ein schönes Tagewerk vollbracht.


Diese Art von Zufriedenheit ist mehr als ein individuelles Gefühl. So fand eine Auswertung von 22 Studien bei Menschen, die gärtnern, weniger Depression und Stress und mehr Lebensqualität. Vor allem das seelische Wohlbefinden profitierte.


Die Erholungsforschung unterscheidet vier Erfahrungen, die uns nach der Arbeit auftanken: abschalten, entspannen, etwas gelingen sehen und selbst bestimmen, was wir tun.


Im Garten kommt für mich vieles davon zusammen. Ich lasse innerlich los, und ich sehe, was ich geschafft habe.

Ich glaube, dass solche Beschäftigungen uns allen guttun. Nicht nur als Ausgleich zur Arbeit am Computer oder zum Unterrichten, sondern auch, weil wir dann mit uns allein sind und nicht unter dem Druck des Leisten-Müssens stehen.


Ich glaube auch, dass manuelle Arbeiten unserem Menschsein entsprechen, egal, ob es sich dabei um Gartenarbeit, die Restauration alter Dinge oder das Basteln handelt.


Schon im zweiten Kapitel erzählt die Bibel von einem Gott, der sozusagen „mit den Händen" arbeitet: „Und Gott der HERR pflanzte einen Garten…"

" (1. Mose 2,8). Den Menschen setzt er genau dort hinein. Er soll diesen Garten bebauen und bewahren (2,15).


Gott arbeitet, gestaltet und pflegt. Er kannte den Moment, in dem man ein Werk anschaut und sagt: „… sehr gut" (1. Mose 1,31), lange vor uns.

Jesus wusste um die Grenzen seiner Jünger: „Kommt mit mir an einen einsamen Ort und ruht ein wenig" (Markus 6,31).


Das widerspricht nicht seinem Ruf in die Nachfolge, die auch das Kreuz kennt (Markus 8,34). Doch Hingabe ist nicht dasselbe wie Selbstverschleiß. Derselbe, der alles von uns will, sagt auch: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken" (Matthäus 11,28). Und er fügt hinzu: „Nehmt auf euch mein Joch." Dieses Joch ist echt und kostet etwas, aber es drückt uns nicht nieder: „Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht" (Matthäus 11,30).


Ruhe und gute Arbeit mit den Händen müssen wir uns nicht erst verdienen oder rechtfertigen. Sie sind ein Geschenk, das zu unserem Menschsein gehört. Gott beschenkt uns gerade auch in solchen Momenten. In Psalm 127,2 heißt es sogar: „seinen Freunden gibt er es im Schlaf."


Ob der Garten gepflegt ist, interessiert vielleicht kaum jemanden außer mir.

Mich aber erfüllt es mit Freude, dass der Rhododendron, den ich wegen der Trockenheit des Sommers radikal zurückschneiden musste, viele neue, zartgrüne Triebe zeigt. Ich freue mich, dass der Rasenmäher wieder unter allen Büschen durchkommt und dass ich so große Basilikumpflanzen habe wie nie zuvor.


Ich ermutige dich: Finde deinen „Garten" und pflege ihn. Das ist keine profane, vergebliche Beschäftigung. Sie schenkt Zufriedenheit und hilft dir dabei, auf deine Seele zu achten.


Alles Liebe. Rainer

 
 
 

Kommentare


bottom of page