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Wie sieht Gott aus?

  • Autorenbild: Rainer Harter
    Rainer Harter
  • vor 10 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Vor Kurzem telefonierte ich wieder einmal mit meinem vierjährigen Enkel.


Man hört in seiner Stimme immer sofort, ob etwas Wichtiges in ihm ist, das jetzt gesagt werden will. Dieses Mal war es eine Frage.


Und so sagte er ganz direkt:







„Opa, wie sieht Gott aus?“

Ich saß gerade am Küchentisch und trank einen Kaffee, als er das fragte. Einen Moment lang musste ich innehalten. Nicht, weil ich keine Antwort gehabt hätte, sondern weil ich spürte, dass diese Frage zu kostbar ist für eine schnelle, einfache Reaktion. Ich wollte ihn ernst nehmen. Ich wollte ihm nicht ausweichen. Und ich wollte Worte finden, die ein Kind verstehen kann, ohne dabei die Tiefe der Frage zu verlieren.


Seine Frage war ja alles andere als kindlich. Sie gehört zu den großen Fragen unseres Lebens.


Wir können uns Jesus Christus vorstellen. Er ist Mensch geworden, sichtbar, hörbar, berührbar. In ihm ist Gott uns nahe gekommen. Aber wenn wir an Gott, den Vater denken, wird es auf einmal stiller in uns. Unsere Bilder greifen nicht mehr richtig.


Wir können auch niemanden fragen, ob er uns Gott beschreiben kann, weil er ihn selbst gesehen hätte, wenn es im Johannesevangelium ausdrücklich heißt:


„Niemand hat Gott jemals gesehen.“ Joh 1,18

Und im ersten Timotheusbrief wird Gott beschrieben als der,


„…der allein Unsterblichkeit hat und ein unzugängliches Licht bewohnt, den keiner der Menschen gesehen hat noch sehen kann…“ 1. Tim 6,16

Gott entzieht sich unserem Blick. Er ist nicht einfach ein Gegenstand, den man anschauen könnte.



Und doch finden wir in der Bibel immer wieder Menschen, die genau davon sprechen, dass Gott ihnen erschienen ist.


Mose beispielsweise redete mit Gott wie ein Freund mit seinem Freund. Jesaja sah ihn im Tempel. Hesekiel beschreibt eindrückliche Visionen seiner Herrlichkeit. Jakob rang mit ihm und sagte danach: Ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen.



Wie passt das zusammen?


Die Bibel führt uns hier in ein Geheimnis hinein. Sie unterscheidet zwischen Gottes Wesen und seiner Offenbarung. Sein Wesen bleibt für uns unzugänglich. Kein Mensch kann Gott in seiner ganzen Wirklichkeit erfassen. Und doch wendet er sich uns zu. Er zeigt sich. Er lässt sich erkennen, nicht indem wir ihn begreifen, sondern indem er sich mitteilt.


Man könnte sagen:


Wir sehen nicht Gott an sich, aber wir sehen, wie er sich uns zeigt.


Interessanterweise haben Christen über viele Jahrhunderte genau an diesem Punkt weitergedacht. In dem alten geistlichen Buch "Die Wolke des Nichtwissens" wird beschrieben, dass Gott letztlich nicht durch unsere Gedanken oder Vorstellungen erkannt werden kann, sondern nur durch eine liebende Hinwendung, die über das Verstehen hinausgeht.


All das ging mir in diesem Moment durch den Kopf. Und zugleich wusste ich: Das ist keine Antwort für einen Vierjährigen.


Also habe ich ihm etwas anderes gesagt. Etwas Einfaches. Und zugleich etwas, das ich selbst von Herzen glaube.


Ich sagte:


„Gott ist das Schönste, was es gibt. Schöner als deine Mama, schöner als alle Blumen und schöner als alles, was du dir vorstellen kannst.“

Für einen Moment war es still am anderen Ende der Leitung. Und ich hatte den Eindruck, dass diese Antwort für ihn Sinn gemacht hat.


Ich glaube zutiefst, dass Gott schön ist. Nicht im oberflächlichen Sinn, sondern in einer Weise, die alles umfasst. Da ist seine Güte, seine Wahrheit, seine Liebe und seine Reinheit. In ihm ist nichts Dunkles, nichts Gebrochenes, nichts Widersprüchliches. Und genau deshalb ist seine Schönheit vollkommen.


Eines Tages werden wir mehr sehen, als wir jetzt sehen können. Bis dahin leben wir davon, dass er sich uns zeigt. In Christus. In seiner Gegenwart. In seinem Wort. Und manchmal in einem einfachen Satz, der einem Kind genügt.


Wie hättest du auf diese Frage geantwortet?


Alles Liebe. Rainer


 
 
 

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