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Wo ist die Leidenschaft geblieben?

  • Autorenbild: Rainer Harter
    Rainer Harter
  • vor 3 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

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VOR ZEHN JAHREN


Vor zehn Jahren saß ich an der Arbeit zu einem Buch über die Leidenschaft für Jesus.



„Brannte nicht unser Herz“ hat seitdem mehrere Auflagen durchlaufen, und nun gibt es eine Neuveröffentlichung. Im Zuge dessen tauchte eine Frage bei mir auf:




Ist meine eigene Leidenschaft für den Sohn Gottes in diesen zehn Jahren gewachsen – so, wie ich es meinen Lesern damals gewünscht habe?

 

Diese Frage tut mir gut.

Sie lässt mich auf mein Leben schauen und ehrlich prüfen, wo ich heute in meiner Beziehung zu Jesus stehe.

 

Wenn ich auf das vergangene Jahrzehnt zurückblicke, sehe ich Meilensteine – Erfahrungen, die mich an den inneren Ort geführt haben, an dem ich heute bin. Ich sehe Erfolge, aber auch Krisen. Freude und tiefes Leid. Ich erinnere mich an einen Abend, an dem ich weinend am Küchentisch saß und kurz davor war, meinen Beruf aufzugeben.

 Solche Momente gehören zum Leben vieler Menschen, die ich kenne.




DIE GRUNDLINIE MEINES LEBENS


Und doch sehe ich rückblickend noch etwas anderes: Hinter dieser sichtbaren Berg- und Talfahrt meines Lebens verläuft eine zweite Linie.

Während die erste Kurve von starken Ausschlägen geprägt ist, steigt diese zweite Linie ruhig und beständig an. Sie ist zur Grundlinie meines Lebens geworden. Sie beschreibt meine wachsende Leidenschaft für Jesus – und es erfüllt mich mit tiefer Freude, dass sie über all die Jahre hinweg nicht abgenommen hat, sondern gewachsen ist.

 

Ja, es gab Krisen. Aber sie konnten meine Liebe nicht auslöschen. Im Gegenteil: Gerade in ihnen wurde ich immer wieder neu in die Arme Jesu getrieben. Es ist wirklich möglich, dass unsere Leidenschaft für Jesus wächst – das habe ich erlebt. Und je mehr sie das tut, desto mehr kommt unsere Seele zur Ruhe und unsere Freude am Glauben nimmt zu.

 

Die Neuauflage beginnt ich mit denselben Worten wie damals. Denn die Szene, die ich damals beschrieben habe, könnte genauso gut heute Morgen stattgefunden haben:

 

„Jesus, in mir wecke Liebe zu dir.“

                                  

Ich bin im Gebetshaus und bete dieses einfache Gebet. Ungezählte Male und viele Stunden schon habe ich es im Stillen und im Einklang mit dem Rhythmus meines Atems gebetet. Es kommt tief aus meinem Herzen und bringt meine größte Sehnsucht zum Ausdruck: die Sehnsucht nach einer beständig wachsenden Liebe zu dem Mann, der vollkommen Mensch und vollkommen Gott ist: Jesus Christus. Seit vier Jahrzehnten folge ich ihm, meine Liebe zu ihm ist tief und leidenschaftlich – und noch immer möchte ich ihm näherkommen und ihn mehr lieben. Er ist die faszinierendste Persönlichkeit, die ich kenne, und seine Schönheit ist mit nichts zu vergleichen. Was für ein Geschenk, dass ich ihn kennen darf. Ein Leben ohne diese leidenschaftliche Liebesbeziehung kann ich mir nicht mehr vorstellen.

                       

Im Gebetshaus darf ich mit Menschen zusammenarbeiten, die sich mit mir dem einen Ziel verschrieben haben: Gott zu lieben und aus der Liebe zu ihm zu leben. Diese Menschen fordern mich heraus und sie feuern mich an. Mit und von ihnen lerne ich, Jesus mehr zu lieben. Es ist eine Gemeinschaft von Menschen, die leben, was sie so oft singen:

 

Ich habe zum Herrn gesagt: Du bist mein Herr; es gibt kein Glück für mich außer dir. Psalm 16,2


MÜDE HELDEN

                           

Seit nunmehr vielen Jahren komme ich in die unterschiedlichsten Kirchengemeinden und Werke, um zu predigen oder Seminare durchzuführen. Immer wieder treffe ich dort auf hingegebene Menschen, die sich jahrelang und treu in die Mitarbeit vor Ort investiert haben, aber irgendwann feststellen, dass sie am Rande ihrer Kraft angekommen sind oder geistlich auf der Stelle treten. Sie leiden darunter, dass ihre Beziehung zu Jesus eher einer

Arbeitsbeziehung als einer partnerschaftlichen Liebe gleicht.

 

Es schmerzt mich, wenn ich diese wertvollen Menschen und müden Helden sehe. Neben all den Herausforderungen in ihrem Alltag, in Beruf und Familie haben sie sich mit viel Herzblut in den ehrenamtlichen und so wichtigen Dienst im Reich Gottes gestellt, spüren aber, dass ihre Leidenschaft für Jesus irgendwann verloren gegangen ist. Obwohl es sich um reife

Christen handelt, wissen sie oft nicht, wie sie diese Leidenschaft wieder wecken und dauerhaft erhalten können. Manche haben resigniert. Einige haben echte Leidenschaft nie kennengelernt. Aber alle sehnen sich nach einer tieferen Hingabe. Ich nehme einen großen Hunger nach Gott in unseren Kirchen und Gemeinden wahr.

 

Warum bloß entgleitet so vielen ihre Leidenschaft für Jesus?

Und: Gibt es etwas, was man dagegen tun kann?

                                  

 

 

AM ANFANG: DIE LIEBE

                                  

Ende der neunziger Jahre bin ich selbst an einem Punkt angekommen, an dem ich erkennen musste, dass meine Beziehung zu Gott zu einem Arbeitsverhältnis geworden war. Meine Liebe zu ihm definierte sich über mein Tun. In dieser Zeit wurde mir bewusst, dass eine echte Liebesbeziehung in erster Linie von Nähe und Gemeinschaft geprägt ist. Erst an zweiter Stelle und als Resultat der Liebe Gottes zu mir steht der Dienst für ihn. Es ist die Erfahrung der Liebe Gottes, die in uns den Wunsch weckt, ihm zu dienen. Ist unser Dienst für Gott eine Reaktion auf seine Liebe, wird daraus tatsächlich ein „Liebesdienst“. Eine größere Motivation als die Liebe gibt es nicht. Wir sind nicht gerettet worden, weil Gott neue Mitarbeiter gesucht hat.


Ganz im Gegensatz dazu spricht die Bibel von einer partnerschaftlichen und vertrauensvollen Liebesbeziehung, die auf dieser Erde beginnt und sich im Himmel ewig fortsetzen wird. Vergessen Sie nicht, dass am Ende der Geschichte kein Dienstjubiläum gefeiert wird, sondern ein großes Hochzeitsfest auf uns wartet, das der himmlische Bräutigam (Jesus) mit seiner herrlichen Braut (der Gemeinde der Gläubigen) feiern wird.


Ich spürte damals, dass ich Konsequenzen ziehen musste. In Absprache mit den Leitern der Kirchengemeinde, zu der ich gehörte, legte ich für ein Jahr fast alle meine Leitungsaufgaben nieder. Ich wollte Gott suchen und meine Beziehung zu ihm auf ein neues Fundament stellen. Im Verlauf des folgenden Jahres begann er zu mir über das Gebetshaus zu sprechen und gab meinem Lebensweg damit eine völlig neue Richtung, die ich wohl nicht entdeckt und eingeschlagen hätte, wenn ich mich nicht auf die Suche nach einer erneuerten Liebesbeziehung gemacht hätte. Aus ihr heraus entstand meine heutige Aufgabe, aus ihr lebe ich seitdem.



NICHT LEISTUNG ZUERST


Wenn unsere Leidenschaft und Liebe sich nicht mehr direkt auf Gott, sondern auf den Dienst für ihn richten, verlieren wir das Fundament unseres Glaubens. Dabei sind wir von Natur aus so angelegt, dass wir etwas leisten, etwas auf die Beine stellen und erfolgreich sein möchten. Das ist völlig normal. Ohne eine lebendige Beziehung zu Gott aber fangen wir an, unseren Erfolgen den Platz einzuräumen, der eigentlich Gott gehört. Unsere Seele ernährt sich dann nämlich nicht mehr von Gottes Gegenwart und seiner Liebe, sondern versucht, vom Applaus der Menschen satt zu werden. In der Folge müssen wir plötzlich Masken tragen, um den Applaus zu verdienen. Wenn es so weit gekommen ist, sind wir in eine Falle geraten und auf dem besten Weg zu Frustration, Leistungsorientierung und seelischer Erschöpfung. Wir stellen die Grundaussage des Evangeliums auf den Kopf: Anstatt aus Liebe zu dienen, dienen wir, um geliebt zu werden.


Gott hatte andere Pläne für uns. Er liebt uns zu sehr, als dass er zuschauen könnte, wie wir in einem religiösen Hamsterrad endlose Runden drehen, bis wir nicht mehr können. Es ist Zeit umzukehren. Gott wartet auf dich. Lass uns gemeinsam losgehen, um die Leidenschaft für Jesus neu zu entdecken. Lass uns anfangen, die Dinge wieder in die richtige Reihenfolge zu bringen.


Wenn du das möchtest, kann mein Buch dir eine große Hilfe sein.


Alles Liebe. Rainer

 

 


 
 
 

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