Wo ist mein Herz?
- Rainer Harter

- 15. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Neulich war ich als Gebetsleiter in einer Stunde eingeteilt, die wir im Gebetshaus „Lobpreis mit der Bibel“ nennen.
Dieses Format lädt dazu ein, Gottes Wort nicht nur zu lesen, sondern es singend zu durchschreiten: biblische Aussagen werden aufgenommen, in eigene Worte gefasst, wiederholt, bedacht – bis sie beginnen, im Inneren zu klingen.
Es geht dabei weniger um Abwechslung oder Kreativität als ums Verweilen: darum, einer Aussage Raum zu geben, sie auszuhalten, sie von verschiedenen Seiten zu betrachten und ihr zu erlauben, uns selbst zu betrachten.
Lobpreis mit der Bibel gehört zu meinen Lieblingsformaten im Gebetshaus. Immer wieder erlebe ich darin, wie schön, heilsam und erstaunlich tiefgründig Gottes Wort ist. Selbst nach vielen Jahren des Bibellesens öffnen sich Zusammenhänge, die mir bislang verborgen geblieben sind – nicht, weil ich sie überlesen hätte, sondern weil ihre Entdeckung Zeit, Aufmerksamkeit und ein verweilendes Hören brauchen.
Solche Entdeckungen berühren und begeistern mich. Sie sind echte Aha-Momente und zugleich Einsichten, die sich langsam entfalten. Und so war es auch neulich.
Die Bibelstelle, die ich für diese Stunde ausgewählt hatte, war Matthäus 6,21:
„Denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein.“
Natürlich ist uns dieser Vers vertraut. Wir kennen ihn gut – und auch die Frage, die er an uns richtet. Er hilft uns, unsere Prioritäten immer wieder neu zu ordnen, und er bewahrt uns davor, unser Herz an Dinge zu hängen, die zwar glänzen, sich am Ende aber als billiger Tand erweisen.
Im Zusammenhang von Matthäus 6,19–21 warnt Jesus uns davor, unser Herz an die Schätze dieser Welt zu binden: an das Vergängliche, das Verfügbare, das scheinbar Sichernde. Stattdessen ermutigt er uns, himmlische Schätze zu sammeln – Dinge, die nicht verrotten, nicht gestohlen werden können und nicht dem Zahn der Zeit ausgeliefert sind.
Gemeint sind dabei nicht fromme Leistungen oder geistliche Trophäen, sondern Haltungen und Wirklichkeiten wie Vertrauen, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Treue und Liebe. Es geht um all das, was vor Gott Bestand hat und unser Herz dauerhaft prägt.
Soweit ist uns diese Bedeutung geläufig. An dieser Stelle möchte ich versuchen, meinen Aha-Moment in Worte zu fassen.
Die Bibel spricht immer wieder davon, dass Gott selbst der größte Schatz ist. Psalmen, Weisheitsbücher und das Neue Testament machen deutlich: Wahre Fülle liegt nicht zuerst in dem, was Gott gibt, sondern in Gott selbst. Alles andere bleibt zweitrangig.
Als ich begann, in diese Verse einzuführen, wurde mir ein Aspekt bewusst, der mein Verständnis von Gottes Schönheit noch einmal vertieft hat: Ein Schatz ist kein verrottender Komposthaufen. Er besteht aus den edelsten Materialien – gesammelt, bewahrt, in ihrer reinsten Form. Darum strahlt er.
Wenn also Jesus selbst unser Schatz ist, dann hat das eine unmittelbare Konsequenz: Unser Herz ist bei ihm. Und dort ist es umgeben von Schönheit. Es wohnt nicht in Mangel, nicht in Scham, nicht im Dunkel des Unfertigen, sondern in der Nähe von Gottes Herrlichkeit.
Mir wurde neu bewusst, wie gut es ist, dass ich dort leben darf – und welche Entlastung darin liegt. Welche Befreiung. Mein Herz muss nicht länger zwischen Ersatzschätzen pendeln. Es ist hier sicher und geborgen.
Erstaunlich ist, dass diese Erfahrung von Schönheit erst durch das Kreuz möglich wurde – einen Ort, der auf den ersten Blick das Gegenteil von Schönheit darstellt. Ich bin Jesus unendlich dankbar für seinen stellvertretenden Tod. Wie gut ist Gott und wie groß ist seine Liebe, dass er diesen Weg gegangen ist, um uns ein Leben in seiner Nähe, in seiner Schönheit zu eröffnen.
Wie schade wäre es, stattdessen in der Dunkelheit zu bleiben und dort nach Schätzen zu suchen, die uns am Ende nicht erfüllen, sondern verzehren.
Ich wünsche dir für die kommende Woche einen Aha-Moment, der dich näher zur Schönheit Gottes führt.
Alles Liebe
Rainer


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